Mundatmung – warum sie ein Problem sein kann
23.02.2026Die Atmung durch den Mund mag auf den ersten Blick harmlos wirken. Tatsächlich kann sie jedoch das Wachstum und langfristig die Gesundheit in jedem Alter erheblich beeinflussen.
Vom Säugling bis zum Erwachsenen spielt die richtige Atemweise eine entscheidende Rolle für Kieferentwicklung, Zahnstellung, Gesichtswachstum und die allgemeine Gesundheit. Kommt es durch eine permanente Mundatmung zu einem inkompetenten Lippenschluss, liegt die Zunge nicht am Gaumen, sondern unten im Mundraum. Dadurch fehlen wichtige Wachstumsimpulse für den Oberkiefer.
Da der Oberkiefer strukturell mit der Nase und den Nasennebenhöhlen verbunden ist, führt eine enge oder unterentwickelte Oberkieferbasis – häufig erkennbar an einem hochgewölbten („gothischen“) Gaumen – zu einer eingeschränkten Basis für Nase und Nasennebenhöhlen. Dies kann wiederum die Atmung und Nasenfunktion beeinträchtigen.
Die Bedeutung der Zungenruhelage
Die Zunge nimmt im physiologischen Zustand ihren Platz am Gaumen ein. Dort initiiert und stabilisiert sie die Breiten- und Längenentwicklung des Oberkiefers.
Liegt die Zunge dauerhaft tief im Mundraum, bleiben diese Wachstumsimpulse aus. Die Folge kann eine Unterentwicklung der Oberkieferbreite mit dentalem Engstand, frontal offenem Biss oder einer Unterkieferrücklage sein.
Die Auswirkungen gestörter orofazialer Funktionen werden insbesondere bei Menschen mit körperlichen und/oder geistigen Behinderungen häufig beobachtet. Persistierende funktionelle Fehlfunktionen wie eine chronische Mundatmung sowie eine frontal tiefe Zungenruhelage können die physiologische Entwicklung des kraniofazialen Systems nachhaltig beeinträchtigen. Infolge der veränderten muskulären Ruheweichteilbeziehung kommt es zu strukturellen Veränderungen, darunter eine Unterentwicklung der Oberkieferbreite mit hochgewölbtem Gaumen, dentalem Engstand, frontal offenem Biss sowie einer Unterkieferrücklage. (vgl. Limbrock JG, Journal für Neurologie, Neurochirurgie und Psychiatrie 2011; 12 (4))
Mundatmung im Säuglingsalter
Säuglinge kommen als Nasenatmer auf die Welt. Die Nasenatmung fördert eine harmonische Kiefer- und Gesichtsstruktur, unterstützt die Zungenruhelage am Gaumen und stärkt den kompetenten Lippenschluss.
Beobachtungen und Studien – bereits im 19. Jahrhundert von George Catlin beschrieben – zeigen, dass eine offene Mundatmung im Säuglingsalter Fehlentwicklungen wie schmale Kiefer, Rücklagen und fehlende Frontzahnkontakte begünstigen kann.
Mundatmung bei Kindern
Bei Klein- und Vorschulkindern kann eine chronische Mundatmung zu fehlendem Lippendruck, Sprachproblemen, Schluckstörungen und wiederkehrenden Infekten führen.
Die Nasenatmung sorgt hingegen für gereinigte, befeuchtete Luft, schützt die Atemwege und unterstützt eine gesunde Kieferentwicklung. Frühzeitige Beobachtung sowie gegebenenfalls myofunktionelle Therapie können helfen, die physiologische Atemweise zu fördern.
Mundatmung in der Wachstumsphase
Während der Wachstumsphase hat die Atemweise großen Einfluss auf Kiefer, Zähne und Gesichtsform. Fehlhaltungen, Unterkieferrücklagen und schmale Oberkiefer können sich durch persistierende Mundatmung verstärken.
Eine frühzeitige Förderung der Nasenatmung trägt dazu bei, Fehlstellungen zu reduzieren und langfristig stabile funktionelle Verhältnisse zu unterstützen.
Mundatmung im Erwachsenenalter
Auch im Erwachsenenalter kann Mundatmung mit funktionellen Beschwerden einhergehen. Dazu zählen Schlafprobleme, Schnarchen, trockene Mundschleimhäute, ein erhöhtes Infektrisiko sowie ein hypoton wirkendes Erscheinungsbild.
Durch gezielte myofunktionelle Übungen, Atemtraining und gegebenenfalls kieferorthopädische Maßnahmen lässt sich die Nasenatmung häufig verbessern. Dies kann sich positiv auf Funktion, Stabilität und Lebensqualität auswirken.

Schlussfolgerung
Die richtige Atemweise – möglichst durch die Nase – ist in jedem Lebensalter von zentraler Bedeutung. Sie unterstützt nicht nur die allgemeine Gesundheit, sondern auch die funktionelle und ästhetische Entwicklung von Kiefer und Gesicht.
Frühzeitige Beobachtung, Aufklärung und gegebenenfalls therapeutische Maßnahmen können dazu beitragen, Fehlentwicklungen zu vermeiden und langfristig stabile Ergebnisse zu sichern.
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Ihre Fachzahnarztpraxis für Kieferorthopädie Dr. Karin Grupp aus Pforzheim
Quelle: Dr. Andrea Freudnberg, Expertin für mykie® - myofunktionelle Kieferorthopädie

